Oleanderbäume in Taormina Bis auf drei Kilometer reicht die Nordostspitze Siziliens an die Stiefelspitze des italienischen Festlandes heran. Über die Meerenge, den Stretto di Messina, kamen vor 150 Jahren die ersten Urlauber, die auf der Insel Sizilien Erholung suchten. Taormina wurde zum Geheimtipp in den gesellschaftlichen Zirkeln des europäischen Grossbürgertums, in dessen Gefolge auch Künstler an die Ostküste Siziliens kamen, die im Verein mit ihren Verehrern und
Sponsoren für eine regelrechte Verklärung des neu entdeckten Traumlandes sorgten. Damit war die Basis geschaffen für eine Touristenhochburg, die im Verlauf der Jahrzehnte immer mehr Italienreisende anzog. Doch es sollte über 100 Jahre dauern, bis das 200 Meter über der Steilküste gelegene Städtchen mit der traumhaften Aussicht aufs ionische Meer und den über 3000 Meter hohen Ätna dem Massentourismus anheim fiel. Umso erstaunlicher ist es, dass sich Taormina bis heute, auch Dank einiger hervorragender Hotels, eine gewisse Exklusivität bewahrt hat - und einen unwiderstehlichen Charme, dem allerdings besser nicht gerade in der sommerlichen Hauptsaison nachgespürt werden sollte. Schon Goethe hatte die antikes Theater von Taormina antike griechisch-römische Theateranlage samt ihrem Hintergrund mit der schneebedeckten Kuppe des grössten aktiven Vulkans Europas als „schönstes Theater der Welt“ gepriesen. Inzwischen ist das ganze mittelalterliche Zentrum des einst beschaulichen Bergstädtchens zu einer Schaubühne geworden, an deren Flanken weder die Boutiquen von Armani, Gucci oder Prada noch Cafés, Pianobars und Feinkostgeschäfte fehlen dürfen.
Auf keinen Fall sollte ein Besucher Taorminas einen Bummel über den Corso Umberto I. versäumen, der sich an der Piazza IX Aprile zu einer fantastischen Panoramaterrasse über dem Meer öffnet und den Blick frei gibt auf das bewaldete Kalabrien. Und bei Nacht sieht es weiter südlich aus, als seien die Dörfer, die funkelnden Nester an den Hängen des Vulkans, zum Greifen nah.
Kirche SS. Annunciata dei Catalani Eher geschäftig und ganz unprätentiös gibt sich Messina, von Antike oder Mittelalter kaum eine Spur im Stadtbild. An den neuzeitlichen Bauwerken ist die durchaus imposante und abwechslungsreiche Geschichte der Stadt, die vor über 2500 Jahren von den Alten Griechen gegründet wurde, nicht abzulesen. Kein Wunder, denn Messina, das heute mit 240.000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Siziliens ist, wurde vor knapp 100 Jahren durch ein verheerendes Erdbeben völlig zerstört. Bei der grössten europäischen Naturkatastrophe des 20. Jahrhunderts kamen 1908 in Messina etwa 80.000 Menschen ums Leben. Sie starben unter den Trümmern der eingestürzten Häuser, wobei viele eingeschlossene Opfer in der nach dem Beben zuschlagenden Flutwelle ertranken.Sehenswert ist in Messina die kleine Normannkirche SS. Annunziata dei Catalani aus dem 12. Jahrhundert, die dem Erdbeben von 1908 trotzte, ferner das Museo Regionale, das unter anderem mit Werken von Caravaggio und Antonello di Messina aufwartet. Obwohl Catania in den vergangenen Jahrhunderten von mehreren Erdbeben heimgesucht wurde, hat es baugeschichtlich einiges zu bieten. 729 vor Christus wurde die Stadt von griechischen Siedlern, den Chalkydiern, gegründet, und es ist heute mit fast 400.000 Einwohnern die zweitgrösste Kommune der Insel. Eindrucksvollstes Bauwerk ist das düstere, in strenger Geometrie von Stauferkaiser Friedrich II. am Hafen errichtete Castello Ursino, das auch das schwere Erdbeben von 1693 nahezu schadlos überstand, während das übrige Stadtgebiet verwüstet wurde, nachdem es bereits von Lavaströmen beim grossen Vulkanausbruch von 1669 erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden war.Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis des Wiederaufbaus nach 1963. Es machte Catania zu einer weitläufigen, heiter wirkenden Barockstadt, der im Übrigen auch antike Elemente nicht fehlen. Ein solitäres Prachtstück ist das im Stil der Neorenaissance erbaute Teatro Bellini an der gleichnamigen Piazza – Huldigung an den berühmtesten Sohn Catanias, an den Komponisten Vincenzo Bellini, der mit 24 Jahren seine erste Oper vorlegte und 12 Opernwerke hinterliess, als er 1835 im fast noch jugendlichen Alter von 35 Jahren in Paris verstarb. Für Opernfreunde und Fans des Komponisten dürfte das Museo Belliano an der Piazza Francesca zum Pflichtprogramm eines Besuchs in Catania zu zählen sein. |